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ShelfLife

Stöbern mit Mehrwert: ShelfLife – und was solche Dienste mit Open Data zu tun haben

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Wow! Seit langem mal wieder eine echte Innovation zum Thema Discovery Interfaces: Die Innovation Labs der Harvard University Library haben den Prototypen einer Anwendung ins Netz gestellt, die das virtuelle Stöbern in den Bücherregalen der ehrwürdigen, 12 Millionen Bände umfassenden Bibliothek erlaubt: ShelfLife. Das an sich macht aber noch nicht die ganze Neuigkeit aus, wohl aber die Tatsache, dass das virtuelle Bücherregal mit zahlreichen Mehrwerten ausgestattet ist. Am meisten beeindruckt bin ich davon, dass die Farbe der Buchrücken die Relevanz der jeweiligen Titel abbildet, und zwar auf Grundlage von lokalen Ausleihdaten sowie der Verwendung der Titel in Kursen und Seminaren der Universität. “Community Relevance” heißt dieser Faktor, den das clevere Entwicklungsteam einführt und damit bestehende interessante Vorschläge zur Integration von Popularitätsdaten in Ranking-Algorithmen aufgreift.

Wie die belgische Kollegin Rosemie Callewaert zu Recht anmerkt, funktioniert so was nur, wenn die entsprechenden Daten offengelegt werden – Open Data also bitte nicht nur für bibliografische Daten, sondern auch für Ausleihzahlen und Verfügbarkeitsinformationen! In den Zusammenhang passt der Hinweis auf das britische Library Impact Data Project. Dort wird ausprobiert, welche Mehrwerte man mit aggregierten Ausleihdaten von mehreren Bibliotheken anfangen kann – ich bin sehr gespannt, was dabei herauskommt.  Beteiligt ist hieran übrigens Dave Pattern, der schon mal den lustigen Vorschlag gemacht hat, die Singles unter den BibliotheksbenutzerInnen auf Grundlage von Ausleihprofilen zu verkuppeln. Ich weiß, dass vielen bei solchen Ideen die Haare zu Berge stehen – aber mich persönlich begeisteren solche Ideen.

Das dreiminütige Einführungsvideo gibt Einblicke in weitere interessante Funktionalitäten von ShelfLife:

 

 

 

7 Kommentare

  1. Mich begeistern solche Details wie Dicke des Buches anahnd der Seiten zahlen… mit geeigneten Icons eigentlich sehr leicht umzusetzen, Wir brauchen mehr davon!

  2. Klingt richtig gut! Da sind gleich mehrere neue Ansätze in einem Projekt, ich bin gespannt wie sich das entwickelt!

  3. Das hätte ich auch gern! Ich denke das spricht auch viele Nutzer an.

  4. Wirklich toll! Zumindest der “Eye-Candy-Part” lässt sich auch sicherlich recht einfach in anderen Katalogen nachbilden. Also z.B. die Visualisierung der Buchdicke.

    Etwas schwierig finde ich, dass (ca. bei Min. 1:27) sichtbar ist, welche Nutzergruppen ein Werk wie oft ausgeliehen haben. Gerade bei kleineren Bibliotheken lassen sich dadurch zu leicht Schlüsse aufs Individuum ziehen.

    Der Open-Data-Forderung kann ich mich nur anschließen, vgl. die Empfehlungen zur Öffnung bibliothekarischer Daten:

    “Unter bibliothekarischen Daten zu verstehen sind sowohl bibliographische Daten gemäß den “Prinzipien zu offenen bibliographischen Daten” als auch darüber hinausgehende Daten, die in Ausübung bibliothekarischer Tätigkeit erstellt werden.

    Zur Verwaltung der Dienstleistungen einer Bibliothek fallen zudem weitere Daten an, die – insofern es sich um nicht personenbezogene oder anderweitig sensible Daten handelt – ebenfalls freigegeben werden können. Zu diesen Daten zählen beispielsweise Exemplardaten, Erwerbungsdaten, anonymisierte Ausleihdaten, statistische Daten.”

  5. Pingback: Infobib » Shelflife

  6. Pingback: Gelesen in Biblioblogs (2.KW’12) « Lesewolke

  7. “Dave Pattern, der schon mal den lustigen Vorschlag gemacht hat, die Singles unter den BibliotheksbenutzerInnen auf Grundlage von Ausleihprofilen zu verkuppeln.”

    Nomen est Omen: “Pattern Matching”.

    Vielen Dank für den interessanten Artikel, Anne!

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