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Die Gewerkschaft der BibliothekarInnen

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Vor zwei Wochen habe ich an einer interessanten Veranstaltungen teilgenommen, und zwar dem Gewerkschaftstag „meiner“ Gewerkschaft, der GdG-KMSfB * in Wien. Bei einer Fraktionsveranstaltung der KIV diskutierten Vertreterinnen und Vertreter berufspolitischer Organisationen über ihr Verhältnis zur Gewerkschaft und ihre Motivation, sich für ihre Profession zu engagieren. Am Podium waren u.a. der Österreichische Berufsverband der SozialarbeiterInnen, das Prekär-Café und der Österreichische Verband der KulturvermittlerInnen im Museums- und Ausstellungswesen vertreten. **

Was alle SprecherInnen gemeinsam haben: Sie fühlen sich von der Gewerkschaft nicht (ausreichend) vertreten. Vor allem die Aufsplitterung auf verschiedene Gewerkschaften wurde beklagt. Das ist – jedenfalls in Österreich – auch bei den BibliothekarInnen so; diese verteilen sich zumindest auf die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und jene der Privatangestellten und der Gemeindebediensteten. Ein nennenswertes Engagement für freie DienstnehmerInnen oder andere prekär Beschäftigte, wie es sie auch im Bibliothekswesen immer häufiger gibt, kann ich überhaupt nur bei _einer_ Gewerkschaft ausmachen. Kein Wunder also, dass sich Menschen zu Berufsverbänden zusammenschließen. Deren Aktivität unterliegt aber einer wesentlichen Einschränkung: Sie haben kein offizielles Verhandlungsmandat mit den Arbeitgebern und daher potentiell weniger Einfluss. Mehrfach hieß die Rückmeldung der Arbeitgeber „ja,wer seid denn ihr überhaupt“ – eine Variante des typisch österreichischen „ja, dürfen’s denn des“ ;-)

Eine persönliche Betrachtung: Ich bin Gewerkschaftsmitglied seit meiner vor-bibliothekarischen Zeit als Journalistin, wo ich acht Jahre lang ohne schriftlichen Vertrag gearbeitet habe – da sprach mich die Aktion work@flex sehr an. Auch wenn ich nicht aus einer gewerkschaftlich geprägten Familie komme, war es für mich immer selbstverständlich, meinen (finanziellen) Beitrag zu leisten, denn schließlich kommen Lohnerhöhungen und andere Annehmlichkeiten nicht von selbst. Dass ich manchmal über meine VertreterInnen ziemlich ärgere, motiviert mich eher dazu, mich selbst aktiv einzubringen – die meisten der KollegInnen in meinem Alter, mit denen ich darüber gesprochen habe, lehnen aber genau deswegen eine Mitgliedschaft ab. Genauso selbstverständlich war es für mich, schon während meines Studiums meinem Berufsverband beizutreten.

Wie steht Ihr dazu? Seid Ihr Gewerkschaftsmitglieder? Fühlt Ihr Euch von Eurer Gewerkschaft ausreichend vertreten? Seid Ihr selbst in Gewerkschaft und/oder Personalvertretung engagiert? Empfindet Ihr Gewerkschaft oder Berufsverband als wichtiger, wirksamer?

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* Die GdG-KMSfB ist aus dem Zusammenschluss der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten und der Kulturgewerkschaft Kunst, Medien, Sport, freie Berufe entstanden. Ein besserer oder zumindest einfacherer Name wird derzeit gesucht ;-)

** Wenn ich nicht urlaubsbedingt meine Mails zu spät gelesen hätte, hätte auch eine Vertreterin aus dem Bibliothekswesen mitdiskutiert ;-)

4 Kommentare

  1. Gegenfragen: Warum sollten Bibliothekarinnen und Bibliothekare eine andere Einstellung zu Gewerkschaften haben als andere Berufstätige? Und welchen Einfluß haben Gewerkschaften auf den bibliothekarischen Fachdiskurs? Ich bin da eher skeptisch.

  2. Mögliche Antworten auf die erste Frage: 1. Gewerkschaften sind bei manchen Berufsgruppen einfach stärker verankert bzw. haben mehr (politischen) Einfluss (z.B. bei den Metallern). 2. Berufe im Kultursektor sind stärker von Prekarisierung betroffen als andere Branchen (wahrscheinlich nicht im Hinblick auf Leiharbeit, aber sicher was befristete Projektstellen betrifft).
    Auf die zweite Frage: Es geht mir nicht um den bibliothekarischen Fachdiskurs, sondern um die Arbeitsbedingungen – die Standesvertretung, die Verhandlung von Kollektivverträgen, die Vertretung gegenüber den ArbeitgeberInnen… Zum Beispiel hätte ich 2009 von meinem Berufsverband erwartet, dass er zumindest eine Stellungnahme zum neuen Uni-Kollektivvertrag abgibt, der für BIbliothekarInnen ziemlich mies ausgefallen ist. Da hieß es, das sei ja Aufgabe der Sozialpartner.

  3. Ich wollte damit nur sagen: Beim Thema Gewerkschaften ist die Gefahr groß, das fachspezifische Terrain zu verlassen und das allgemein-politische zu betreten.

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