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Bayerische Staatsbibliothek von digital cat 

Die Bayerische Staatsbibliothek trumpft mit Apps – trumpfen sie an der richtigen Stelle?

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Bereits letztes Jahr veröffentlichte die bayerische Staatsbibliothek eine App (Applikation = kleines Programm) für Smartphones und Tablet PCs. Moment, an dieser Stelle gleich eine Einschränkung, es dreht sich dabei nur um ein Angebot für Apple-Produkte, wie das iPhone und das iPad. Mit dieser App unter dem Namen „Famous Books – Treasures of the Bavarian State Library“ stellten sie wirklich einen Meilenstein für die Nutzung digitalisierter literarischer Schätze mit historisch und/oder künstlerisch hohem Wert in Deutschland auf. Jeder, der Lust dazu verspürte, konnte sich die teils uralten, schönen Stücke betrachten und die Bedienung war einwandfrei. Auch in diesem Jahr legte die Staatsbibliothek nach und ergänzte das Angebot um eine weitere App namens „Oriental Books“. Hier findet man denselben hohen Anspruch an die Scans und die Handhabe, alles wirkt formvollendet und einfach zu bedienen. Beide Apps fanden Einzug in viele Blogbeiträge, Twitternachrichten und die Apps, insbesondere Erstere, rangiert ganz oben in der entsprechenden iTunes-Schublade mit sehr hohen Download-Zahlen.

Um dem ganzen aber noch in wahrstem Sinne die Krone aufzusetzen, wurde zusammen mit der bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen eine App royalen Charakters entwickelt: „Ludwig II. – Auf den Spuren des Märchenkönigs“. Präsentiert wurde sie dieses Jahr auf dem Bibliothekartag und lässt sich im wahrsten Sinne des Wortes „sehen“, denn Sie können sich Dank Augmented Reality in die reale Anzeige Ihrer Kamera auf dem Bildschirm verschwundene oder veränderte Gebäudeteile oder andere Informationen rund um den Märchenkönig einblenden lassen. Klingt märchenhaft? Ist es auch, eine tolle Idee und alles in allem sehr schön umgesetzt.

Jetzt werden Sie sicher schon auf das Aber warten und da ist es auch schon. Ich frage mich, warum eine Staatsbibliothek Produkte entwickelt, die nur von einer kleinen Gruppe von Nutzern genutzt werden kann. Denn dem Marktforschungsinstitut Gartner zufolge (Stand August, zweite Tabelle), erreichen sie damit aktuell höchstens ein Fünftel aller Smartphone-Besitzer, wobei ja noch nicht mal jeder ein Smartphone besitzt. Dieser Trend ist übrigens schon länger und überdeutlich zu sehen. Statt also an dieser Stelle vielleicht mal eine parallele Entwicklung für andere Systeme voranzutreiben, wird bis jetzt munter in eine Richtung weitergalopiert.

Ein Lob möchte ich aber auch aussprechen, dieses gilt dem OPACplus mobil. Wenn Sie mit Ihrem Smartphone (das Schöne ist, hier werden auch andere Systeme unterstützt außer Apple) auf den Katalog der BSB kommen, dann können Sie komfortabel suchen. Aber Achtung, Sie müssen mobile Seiten aktiviert haben, ansonsten landen Sie auf der regulären Seite. Um das Ganze mal am PC zu testen, sollten Sie diesen Link mal ausprobieren (Achtung: Sie müssen auf jeder Seite, auf die Sie kommen, wieder rechts die mobile Ansicht einschalten). An dieser Stelle läuft die Weiterentwicklung gut, denn waren zuerst noch teilweise zu viele Informationen enthalten, so hat man sich schnell auf das Wesentliche konzentriert und an dieser Stelle kann man nur sagen: weiter so.

Alles in allem möchte ich also anregen, dass die Ludwig-App und alle anderen, die von gestern und die von morgen, doch bitte auch anderen Systemen zugänglich gemacht werden. Denn diese coolen (denn das sind sie definitiv) technischen Errungenschaften sollten möglichst viele nutzen können, wie sehen Sie das?

 

5 Kommentare

  1. Stimme zu. Die BSB setzt übrigens mit Second Life anhaltend auf ein totes Pferd. Mir leuchtet nicht ein, wieso man diese Veranstaltungen in SL nicht auch als Livestream für diejenigen übertragen kann, die keinen SL-Account haben/wollen.

  2. Stimme Ihrem ersten Teil nicht zu. Die BSB geht strategisch konsequent und geschickt vor: Die Rara-Apps sind einfach eine geniale Marketingidee, in einem äußerst hochwertigen Umfeld. Denken Sie nur an das iPad: Hier gab und gibt es seit 2010 keine Alternative a la Android oder Kindle! Zu diesen Apps kann man der BSB nur von Herzen gratulieren, noch nie war das Geld so gut angelegt. Ansonsten da core: Auch für Android etc. sollte was kommen, aber für Katalog-Anwendungen etc, setzt die BSB bereits ja auf mobile Webseiten, hier macht es keinen Sinn, für alle OS was zu programmieren.

  3. Ein altes indianisches Sprichwort sagt, wenn Du merkst, dass Dein Pferd tot ist, steig ab.

  4. Warum können andere Bibliotheken diese Apps eigentlich nicht nachnutzen?

  5. Pingback: Gelesen in Biblioblogs (42.KW’11) « Lesewolke

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