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Was kostet die wissenschaftliche Welt?

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Wir befinden uns ja gerade in der fünften internationalen Open-Access-Week. Also:

Am 29. August veröffentlichte George Monbiot im Guardian eine lesenswerte Philippika mit dem Titel „Academic publishers make Murdoch look like a socialist“ (in deutscher Übersetzung verfügbar beim Freitag). Viele Blogs griffen dies auf. Unter den im Plan3t Biblioblog aggregierten Blogs unter anderem Oliver Obst in Medinfo oder Edlef Stabenau in Netbib.

Nun, der Begriff der Zeitschriftenkrise ist den meisten Bibliothekswesen nicht unvertraut. Wie groß die Krise, wie wahnsinnig der akademische Betrieb tatsächlich ist, ist aktuell mit ein paar Zahlen illustriert worden. Heather Morrison beschreibt in ihrem Imaginary Journal of Poetic Economics die Profite, die Elsevier macht. Die folgenden Zahlen – hier in einem Google-Spreadsheet – sind dort entnommen, ein paar Absätze zusammengefasst und frei übersetzt:

Elsevier und Lexis-Nexis machten 2009 je über 1 Milliarde US-Dollar Profit. Damit lag die Rendite bei 35% (Elsevier), bzw. 26% (Reed Elsevier). Insgesamt sind es also etwa 2 Milliarden US-Dollar Profit. Geht man von einem weltweiten wissenschaftlichen Output von 1,5 Millionen Artikeln pro Jahr aus, kostet jeder Artikel $1383 Dollar. Die Publikationsgebühr für PLoS ONE beträgt $1350 – $33 weniger.

Mit anderen Worten könnte man also das gesamte wissenschaftliche Publikationswesen Open Access stellen, würde man die Profite Elseviers dafür aufwenden.

Ok, das ist natürlich übertrieben. In dieser Rechnung ist ein Fehler enthalten, der aus einem Missverständnis der Elsevier-Bilanzen resultiert. Als Mike Taylor auf das Posting von Heather Morrison aufmerksam machte, kommentierte und korrigierte Jeff Hecht:

Elsevier is part of Reed-Elsevier, which also includes Lexis-Nexis (not involved in scholarly publishing; it’s a database of legal and general publications), Reed Exhibitions and Reed Business Information. The 2009 adjusted operating profit for Elsevier is 693 million pounds sterling, or about $1096 million dollars. That’s still a LOT of money, but is only about 60% as much as you quote, so if you divide the profit by 1.5 million scholarly articles, you get $730. So the numbers don’t work out as neatly as you thought, that doesn’t invalidate your basic point.

So können mit Elseviers Profiten also nur 60% des weltweiten wissenschaftlichen Outputs befreit werden.

Fazit: Zur Befreiung aller Artikel muss also auch auf günstigere Journals zurückgegriffen werden. Viele OA-Journals nehmen geringere oder gar keine Gebühren. Eine weitere Alternative führt Mick Taylor auf:

Which means we’d need to throw in Springer’s profits, too, in order to open-access everything.

Bild: CC-BY von Patrick Hoesly.