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Äh – ja, doch noch was zur Onleihe

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In den letzten Wochen gab es einiges zur Onleihe zu lesen, z.B. dass es neue Bibliotheken gibt, die nun auf dieses Angebot der DiviBib setzen, obwohl es, wie  bei mir im Blog berichtet, nicht überall gute Zahlen zu vermelden gibt.

Und auch das Digital Rights Management (DRM), auf das der Aggregator setzt, führt bei den vielgepriesenen Apps eher zum „Onleihe Trauerspiel„. Zur Zeit sind vor allem die über die Apps ausgeliehenen Titel betroffen, doch bereits vorher gab es über etliche Tage Probleme beim Zugriff auf die Onleihe. So berichtete die Stadtbibliothek Göttingen, dass am 13.10. die Onleihe nicht funktionierte und nach einem Hardware-Umzug am 25.10. die Onleihe am 26.10. aufgrund des DRM-Systems des Anbieters nicht zur Verfügung stand, es am 27.10. Probleme bei der Onleihe-Nutzung auf Android-Betriebsystemen gab und seit dem 28.10. „nur noch“ E-Books im EPUB-Format betroffen sind.

So kann man zwar das digitale Medium „ausleihen“, leider aber danach nicht benutzen. Auf den Seiten der virtuellen Dependancen der Öffentlichen Bibliotheken, z.B. der Bücherhallen Hamburg, wird darauf hingewiesen:

– aufgrund eines unbekannten Fehlers können verschiedene ePub-Titel zwar ausgeliehen, aber nicht über Adobe Digital Editions geöffnet werden. Dies betrifft auch die Onleihe-App´s! In Adobe Digital Editions erscheint folgende Mitteilung: „E/A-Fehler bei Netzwerkanforderung. Überprüfen Sie die Netzwerkverbindung und wiederholen Sie den Vorgang“ und in der App erscheint: „E_ADEPT_DOCUMENT_TYPE_UNKNOWN:

– die Titel des Naxos-Verlages stehen noch nicht wieder zum Ausleihen zur Verfügung.

Die technischen Schwierigkeiten des Angebots sind dabei wohl vor allem auf das sehr restriktiv gestaltete DRM zurückzuführen, das bereits häufig beispielsweise bei Infobib, Archivalia, Netbib und Bibliothekarisch.de kritisiert wurde.

Um so problematischer finde ich persönlich, dass der DBV im „Bericht zur Lage der Bibliotheken 2011“ (PDF, S. 7) die Onleihe für Öffentliche Bibliotheken als das probate Mittel für die digitale Teilhabe der Bibliotheken anpreist. Die Kosten von 4600,- Euro für eine Erstausstattung mit der Onleihe pro Bibliothek in einem Verbund(!) sind nicht zu unterschätzen, denn viele, gerade kleine Bibliotheken können dieses Geld nicht aufbringen, da dies schon ihr Erwerbungseta für alle Medien ist. Dabei ist die Onleihe immer nur ein Zusatzangebot zum „realen“ Bibliotheksangeboten. Warum fordert der DBV nicht alternative Angebote ein? Es gibt doch genug Aggregatoren, Buchhändler oder Verlage, die sicherlich eigene Angebote aufbauen und einbringen könnten. Offensichtlich sind die armen Öffentlichen Bibliotheken jedoch keine interessante Handelszielgruppe.

4 Kommentare

  1. Pingback: Ein paar Informationen zur Onleihe in M-V « Walfischbucht

  2. Es ist ein Rätsel, warum sich Bibliotheken um etwas reissen, das nicht „geht“. Und der Dachverband brüllt dazu. Sehr merkwürdig. Das hat auch nichts mit Psychologie zu tun. Mystik? Esoterik?

    • Ich kann nur vermuten, was dahinter steckt. Vielleicht ist es in vielen Fällen ein Häkchen hinter „Elektronisches Buchangebot? – Ja, erledigt.“ Unwissenheit, was man da einkauft? – Zum Teil. Vorzeigeprojekt für Entscheidungsträger, die nie dieses Angebot nutzen werden? – Vermutlich.

  3. Pingback: Für Öffentliche Bibliotheken – keine Alternativen zur Onleihe | Bibliothekarisch.de

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