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Eine Erklärung dafür, warum Informationskompetenz nicht gefragt ist

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Maria-Carme Torras und Tove Pemmer Sætre beschreiben in „Information Literacy Education: A process approach“ (2008) m.E. nach sehr überzeugend, warum Informationskompetenz für die wissenschaftliche Arbeit nicht als wichtig angesehen wird.

Sie begründen das damit, dass die Institution Hochschule geteilt ist in einen Verwaltungsbereich und einen akademischen Bereich. Bibliotheken haben in dieser Struktur eine Doppelrolle, werden von dem akademischen Bereich jedoch traditionell eher als Teil des Verwaltungsbereichs wahrgenommen (vgl. Torras/Sætre 2008: 10f.). Es wird also erwartet, hier einen guten Service zu bekommen, und nicht selbst „arbeiten“ oder sich Kenntnisse aneignen zu müssen.

Literaturrecherche und Informationsbeschaffung werden häufig als Mittel zum Zweck betrachtet und nicht als wissenschaftliche Arbeit an sich. Dieses Bild wird ggf. auch noch dadurch verstärkt, dass Professorinnen und Professoren die Literaturrecherche teilweise nicht selbst durchführen, sondern recherchieren lassen.

Torras und Sætre schlagen als Lösung vor, die Informationskompetenzschulungen pädagogisch noch mehr zu professionalisieren, um in der Lehre vom akademischen Bereich als Partner auf Augenhöhe anerkannt zu werden (vgl. Torras/Sætre 2008: 9).

M.E. liegt das Problem aber tiefer, denn egal wie professionell in den Bibliotheken gearbeitet wird, fehlt doch das Verständnis für die Wichtigkeit der Informationskompetenz. Warum die Recherche komplex ist und nicht im Sinne des Service-Gedankens so vereinfacht wird, dass keine Informationskompetenz mehr benötigt wird, ist schwer vermittelbar. Autonomie in der Informationsbeschaffung ist nicht gefragt, weil das Bewusstsein dafür fehlt.

 

Ich denke es ist wichtig, sich bewusst zu machen, warum unsere Nutzerinnen und Nutzer Informationskompetenz nicht von selbst suchen. Dann können Informationskompetenz-Schulungen, die ja inzwischen häufig Teil des Pflichtprogramms an Hochschulen sind, dieses Thema aufgreifen und die Idee und den Nutzen der selbstbestimmten Informationsbeschaffung besser vermitteln.

 

Literatur:

Torras, Maria-Carme ; Sætre, Tove Pemmer (2008): Information literacy education : a process approach ; professionalising the pedagogical role of academic libraries. – Oxford [u.a.] : Chandos Publ.

 

Bildnachweis: d3us / flickr.com

Autor: Nicole Krüger

Mitarbeiterin der ZBW

2 Kommentare

  1. Prinzipiell würde ich dem zustimmen. Ich halte aber tatsächlich den Mangel an Professionalität auch für ausschlaggebend. Warum sollte ich mir von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren etwas vermitteln lassen, einem Berufsstand der pädagogische Lehrinhalte nicht mal selbst auf dem Lehrplan hat (zumindest nicht grundlegend), aber ständig darüber spricht Inhalte vermitteln zu wollen. An dieser Stelle hakt unsere eigene Argumentation und ich halte auch den Besuch von drei Weiterbildungen für nicht ausreichend.

    Es muss also diesbezüglich eine Professionalisierung des eigenen Berufsstandes geben und dann die Auseinandersetzung mit der genannten Frage stattfinden: „Ich denke es ist wichtig, sich bewusst zu machen, warum unsere Nutzerinnen und Nutzer Informationskompetenz nicht von selbst suchen.“

  2. Pingback: Gelesen in Biblioblogs (48.KW’11) « Lesewolke

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