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BibCharts Beta

Ein paar kritische Gedanken zu den BibCharts der ZBW

| 10 Kommentare

Ich hab mich in den letzten Wochen ein wenig mit den BibCharts der ZBW beschäftigtig und der Frage, was können die Bibcharts und was nicht? Was sollten Sie tun und was passiert eigentlich? (1)

BibCharts Beta

BibCharts Beta

„Die BibCharts sind ein monatlich erstelltes Ranking, das anzeigt, wie viele Follower auf Twitter beziehungsweise Fans bei Facebook Bibliotheken und Informationszentren im deutschsprachigen Raum verzeichnen.“ (2)

Die BibCharts der ZBW Kiel können wie ein Ranking genutzt werden, sind aber nicht als wirkliches Ranking gedacht. Intention der BibCharts, die es seit Juli 2011 gibt, ist es zu zeigen ‚Bibliotheken sind drin!‘

Die ersten BibCharts führten bei den Beteiligten und ersten Begutachtern des Angebots zu einer heftigen Debatte, so dass man daher entschied, langfristig auf eine Bewertung der aktiven öffentlichen und wissenschaftlichen Bibliotheken zu verzichten. Die Charts sollen jedoch Bibliotheken, die noch nicht aktiv geworden sind, einen Anreiz geben, ggf. Entscheidungsträger zu überzeugen, dass man den Anschluss verpassen könnte und sich selbst im Social-Media-Bereich beteiligen sollte.

Deshalb verwundert es dann immer ein wenig, wenn Meldungen wie diese zu lesen sind:

Solche Meldungen widersprechen meiner Meinung dem zugrundeliegenden Gedanken, kein Ranking zu sein. Dies spiegelt sich in der nicht vorhandenen Nummerierung der Bibliotheken wider, aber es verhindert nicht ein „ungeeignete“ Interpretation der dort vorhandenen Zahlen.

Schon der Name „Charts“ ist ungünstig gewählt und setzt auf einen Hype, der den eigentlichen Zielen nicht gerecht wird.

„Der Begriff ‚Charts‘ impliziert einen Wettbewerbsgedanken – das ist völlig richtig. Aber das ist nicht unser Hauptziel.Mit der Übersicht wollen wir drei Zielgruppen erreichen: Das sind zum einen all diejenigen, die sich nun schon zu Wort gemeldet haben, die Social Media-Verantwortlichen in den Häusern, die progressiv Experimentierenden. Die zweite Zielgruppe besteht aus der breiten Öffentlichkeit, die vielleicht bislang nicht einmal Notiz davon genommen hat, dass viele Bibliotheken bei Facebook und Twitter und in Blogs angekommen sind. […] Und die dritte Zielgruppe besteht aus den Zweiflern. Damit meine ich Entscheider in den Einrichtungen, die ihr Relevanzprogramm für das Jahr 2011 noch nicht komplett überdacht haben – die Chefs, Direktoren, Leiter, Budgetgeber.“ (3)

Gerade das Erreichen der letzteren birgt – gestützt auf die erhobenen Fan- und Followerzahlen – ein weiteres Problem.

Christian Hauschke formuliert dies passend bei seiner Reaktion auf die BibCharts in Infobib:

„Sollten die Bibcharts eine breitere Aufmerksamkeit erfahren, ist eher von einer erneuten Zahlenfixierung der ‚Entscheider‘ auszugehen.“ (4)

Die BibCharts dürfen nicht die Aufgabe übernehmen, als ein Kennzahleninstrument zu dienen, an dem Entscheidungsträger oder Bibliotheken messen können, dass sie mit ihren Angeboten in diesem Bereich bestens im Kreise Gleichgesinnter aufgestellt sind oder ob sie darin untergehen bzw. „hinterherhinken“. Grund dafür ist, dass die Zahlen der Charts keinerlei Aussagen darüber zulassen, ob die Einrichtung ihre potentielle Zielgruppe erreicht hat. Sie spiegeln nicht wieder, wie viel Aufwand betrieben wird, um die ständig wachsende Fan- und Followerzahlen zu erhalten oder LeserInnen zu behalten.

Diese Charts ermöglichen es den engagierten Bibliotheken in Bezug auf Social-Media-Angebote, über einen längeren Zeitraum hinweg zu sehen, ob die Ideen und Anstrengungen aller beteiligten Kollegen dazu führen, unsere LeserInnen dauerhaft zu fesseln. Sie können sehen, wie vergleichbare Bibliotheken sich entwickeln und können so durch Beobachtung und kollegialen Austausch die eigenen Angebebote ergänzen, verbessern und zielgruppengenauer gestalten.

Trotz aller Zahlen in den BibCharts der ZBW, die eigentlich nur zeigen, dass Bibliotheken aktiv sind, ist für das eigentliche Angebot der Bibliothek im Social Web die Zufriedenheit ihrer NutzerInnen ausschlaggebend. Bessere Messgrößen als reine, automatisch erhobene statistische Zahlen sind jeder Kommentar in einem der Social-Media-kanäle, ob Blog, Fanpages bei Facebook oder Google+ oder auf Twitter. Jedes Like, jeder (Re)Tweet und jedes „+1“ hat mehr Aussagekraft als die Statistik und sollte die Verantwortlichen hinter den Kulissen ermuntern, ihre Leser mit weiteren Informationen, Neuigkeiten und auch dem ein oder andren Augenzwinkern zu versorgen.

Noch sind die BibCharts in der Beta-Version und sehr rudimentär (siehe Quelle 3), dennoch zeigen sie nach einem halben Jahr (derzeitiger Stand: Dezember 2011), dass sie irgendwo aufgenommen sind in die Betrachtungen der Aktiven, dass aber die Diskussion zum Erliegen gekommen sein scheint. Vor allem habe ich nicht den Eindruck, dass sie seitens der Leute wahrgenommen werden, die bisher nicht aktiv sind, da sie in einem Medienumfeld veröffentlich werden, das von jenen Leuten nicht gelesen wird. Papierleser werden auf diese Weise nicht motiviert, aktiv zu werden.

Auch die eigentliche Aussagekraft dieser Charts ist unzureichend. Jürgen Plieninger macht seiner ersten Reaktion deutlich, dass die Zahlen nichtssagend sind:

„Man könnte jetzt diskutieren, ob die richtigen Kennzahlen gewählt wurden, ob denn die Follower-Zahlen überhaupt aussagekräftig sind, ob es nicht eher ein Koeffizient aus Follower-Zahlen, Veröffentlichungs- und Reaktionsrate sein müßte. Ob man nicht Weblogs oder gar Wikis mit einbeziehen müßte und was ist mit dem Auskunftschat und den RSS-Feeds?“ (5)

Hauptfrage ist, und die ist eben nicht messbar, wie werden die NutzerInnen erreicht und informiert und wie sind die Informationskanäle gestaltet. „Social“ ist, wenn miteinander kommuniziert wird und kommunizieren tun immer noch Menschen, also diejenigen, die sich hinter den „Kennzahlen“ stecken.

In diesem Sinne stellt sich also die Frage: „Was sind die BibCharts wirklich?“ Sie erreichen kaum die Entscheidungsträger, die über das Social-Media-Engagement der eigenen Insitution (mit) zu entscheiden haben. Sie sagen nichts darüber aus, ob der Mensch / das Team hinter dem Angebot wirklich einen guten Job macht und seine Zielgruppe erreicht. Zahlen sind schön, sie können für Rankings verwendet werden, aber die Aussage eines Rankings hängt auch immer von der Qualität der erfassten Daten ab und die sind bei den ZBW-BibCharts mehr als dürftig, wodurch auch die Aussage der Charts selbst mehr als verzichtbar ist. Die Aha-Reaktion einer PR-Mitteilung hat sich nach einem halben Jahr erledigt.

Quellen:
(1) vgl. Böhner, Dörte: BibCharts der Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften Kiel, Bibliotheks-Info der UB der Helmut-Schmidt-Universität (16.2011,3), S. 18-19
(2) Bibcharts Beta: Über, Bibcharts.eu
(3) Vatter, Andre: Zu den BibCharts: Das Feedback auf das Feedback, ZBW-Mediatalk.eu
(4) Hauschke, Christian: Bibcharts der ZBW, Infobib.de
(5) Plieninger, Jürgen: Schon wieder ein Ranking!, Netbib

10 Kommentare

  1. Meiner Wahrnehmung nach ist die vornehmste Aufgabe der BibCharts aufzuzeigen, dass es a) eine signifikante Menge von Bibliotheken gibt, die Social Media-Kanäle befüttern und dass es b) auch ein Publikum dafür gibt, dessen Zahlen im Wachsen begriffen sind. Diese Aufgabe erfüllen die BibCharts und sind somit eine gute Argumentationshilfe für alle, die in ihren Bibliotheken Überzeugungsarbeit dafür leisten müssen, dass man einen solchen Kanal überhaupt nutzen sollte. Die qualitative Bewertung steht auf einem anderen Blatt, und die BibCharts erheben glaube ich auch gar nicht den Anspruch, hier eine Aussage zu treffen. Anregungen dazu kann man sich woanders holen, aktuell zum Beispiel in der wie immer nett-übellaunig zugespitzten Kolumne der „Annoyed Librarian“: http://blog.libraryjournal.com/annoyedlibrarian/2011/12/12/a-twopointopia-status-update/

    Mein Verbesserungswunsch an die BibCharts ist: Warum nicht noch die Größe der primären Zielgruppe angeben, um die Zahlen noch aussagekräftiger zu machen? Also für UBs die Studierendenzahlen, für ÖBs weiß ich nicht, die Einwohlnerzahlen vielleicht? Das ist sicher nicht nur angenehm, verbessert aber die Vergleichbarbeit der Zahlen. Vielleicht schreibe ich das aber auch nur, weil ich an einer kleinen Uni arbeite und meine absoluten Zahlen so schlecht sind ;-)

  2. Hallo Anne,

    danke fürs Mitdiskutieren. Ich weiß, Zahlen haben etwas Faszinierendes und natürlich kann man damit Aussagen treffen, wie: Bibliotheken in Social Media sind kein Einzelphänomen oder Social Media-Angebote der Bibliotheken etablieren sich als zusätzlicher Informations-/Kommunikationskanal für ihre Nutzer. Doch dafür ist es wichtig, das statistische Potential dieser „Charts“ richtig auszunutzen, was momentan nicht der Fall sein kann, da die Datenbasis unzureichend ist. Ganz recht, die Zahlen müssen aussagekräftiger gemacht werden. Daher sind die Studierendenzahlen/Anmeldezahlen der Bibliothek/Einwohnerzahlen des Einzugsbereiches ein weiteres wichtiges Indiz, greift aber bei Bibliotheken mit überregionalem Charakter wieder zu kurz (Problem von Zahlen).

    Ein Problem von Zahlen ist eben, dass sie so absolut aussehen und doch erst durch Interpretation etwas sagen. Für die Interpretationsgrundlage braucht man Infos… Damit würden sich viele große Zahlen relativieren und viele kleinere Zahlen plötzlich auch das dahinter steckende Engagement zeigen. Social Media ist auch etwas, das wächst. Der Zeitraum, seit wann ein Angebot besteht ist daher sicherlich eine weitere wichtige Information. Ein Account, der gerade erst entstanden ist, hat natürlich größere Zuwächse, aber dafür insgesamt noch eine geringere Leserzahl.

    Der Schnellstart des Angebots hatte sicherlich seinen Grund, aber eine sichtbare Weiterentwicklung nach einem ersten halben Jahr wäre doch wünschenswert, ansonsten halte ich an meiner zuletzt gemachten Aussage fest. :)

  3. Ich finde es ja gut, wenn Gedanken mal wieder zurückgehen,
    aber du machst gerade wirklich dasselbe, halbjährige Fass wieder auf? ;)

    1. Die BibCharts – und damit die Bibliotheksszene im Netz – haben/hat es seinerzeit bis nach Rivva.de geschafft. Das war bereits ein erster Erfolg in puncto Aufmerksamkeit für alle.
    2. Es gibt eine Opt-Out-Möglichkeit (sich austragen lassen), von der bis heute keine Bibliothek Gebrauch gemacht hat.
    3. Im Gegenteil: Ich bekam/bekomme wütende Mails von Bibliotheken, warum das mit der Aufnahme so lange dauert (auch öffentlich: https://www.facebook.com/ZBWMediaTalk/posts/172329389527680)
    4. Die BibCharts beinhalten keinen Automatismus: Social Media-Betreuer können die Seite aber als Instrument der Lobbyarbeit nutzen, um beim Vorgesetzten vorzusprechen („Schauen Sie sich an, was da draußen eigentlich wirklich passiert!“)
    5. Anstatt immer wieder dieselben selbstreflexiven Szenetexte der Bibliotheken zu lesen, will ich lieber konstruktive Vorschläge sehen; etwa, wie Einrichtungen nicht nur im Social Web präsent sein, sondern auch konkrete Mehrwerte anbieten können. Da sehe ich deutschlandweit schlichtweg gar nichts.
    6. Wer aus der Übersicht raus möchte, schreibt bitte an info@bibcharts.eu – beim nächsten Update wird die Einrichtung dann entfernt.

    Grüße

    André

    • Hallo André,

      ich finde, das Fass ist ein halbes Jahr weitergerollt und man sollte mal nachschauen, was bei der Gährung oder Veredelung so herausgekommen ist ;-)

      Ich bestreite nicht, dass diese Zahlen eine Faszination haben, die dazu führt, dass Bibliotheken hinein und nicht hinaus möchten. Also daher werden mehr Bibliotheken an info@bibcharts.eu schreiben, um hineinzukommen. Und Bibliotheken lieben Zahlen. Chefs lieben zahlen und ab und zu muss man sich das auch bewusst machen, zumal ich Tendenzen beobachten konnte, dass diesen Zahlen ein Wert beigemessen wird, den sie, auch ohne Automatismus dahinter, nicht besitzen können.

      Was passiert im Einzelnen in den Bibliotheken, wenn es darum geht, diese Zahlen zu verwenden. Wie gesagt, Papierleser bleiben Papierleser. Sie brauchen diese Ergebnisse schwarz auf weiß in gedruckter und hochoffizieller Form (Fachzeitschrift). Erst wenn dort etwas steht, lohnt es sich darüber nachzudenken. Hier muss man nur einmal die Beurteilung von den verschiedensten Biblioblogs betrachten. Lobbyarbeit ist ein Punkt, der aber um so einfach wird, je aussagekräftiger die Zahlen sind. (Upps, da schließt sich der Loop schon wieder.)

      Mehrwerte sind ein schwieriges Thema, wie ich hier gerade wieder in der Diskussion erfahren konnte. Fallstrick Datenschutz. Derzeit betrachten wir unter diesem Gesichtspunkt sehr kritisch unsere integrierte Katalogrecherchemöglichkeit bei Facebook. Erlaubt die Recherche über diese Schnittstelle das personalisierte Erfassen von Suchanfragen? Wenn ja, ist der Datenschutz an dieser Stelle sehr eindeutig und das Angebot (Mehrwert: Wir bringen die Suchmöglichkeit dahin wo der Nutzer schon ist.) muss gestrichen werden. Angebote, wie Mashups mit empfholenen Links, News, etc. scheitern immer wieder an sich sehr schnell grundlegenden Angeboten, Beispiel Delicious. Und auch da stellt sich leider immer wieder die Frage, wie dort Dinge messbar gemacht und in (aussagekräftige) Zahlen umgewandelt werden können, die NichtNutzern erklären, dass die darin investierte Zeit gut investiert ist.

      Ich verstehe, dass Zahlen und auch die Zahlen von BibCharts wichtig sind für bestimmte Aspekte, nur denke ich, dass diesem „Ranking“ momentan zu viel Bedeutung zugemessen wird und wir vielleicht eher darüber diskutieren sollten, was in Punkt 5 steht: Was sind die konkreten Mehrwerte, allerdings nicht nur für die Benutzer sondern auch für die Bibliotheken.

      Grüße
      Dörte

  4. Hallo,

    ich verstehe die Kritik und die Anspruchshaltung an den BibCharts nicht. Es ist aus meiner Sicht ein hilfreiches Angebot, welches – wie schon andere Angebote vorher – Überblick über Social-Media-Aktivitäten von Bibliotheken gibt, bzw. Einblick in einen kleinen Auschnitt dieser Aktivitäten und Aufmerksamkeit befördert. Alles was es kann und soll, wurde hier schon gesagt.

    Ja sicher, das Ganze wäre ausbaufähig, Zahlen könnten in einen Kontext gesetzt und vergleichbarer gemacht werden, es könnten weitere Kanäle berücksichtigt werden (sofern man sie für relevant hält) und man könnte die BibCharts in Richtung eines Monitoring-Systems ausbauen und vielleicht noch angeben, welche Aktivitäten eventuell zu einer Vergrößerung der Fan- und Follower-Zahlen und der jeweiligen Reichweite geführt haben, damit die anderen dem nachtun können. Aber ganz ehrlich, wer soll das leisten? Und warum? Damit andere (z.B. auch Entscheidungsträger) sich nicht mehr selbst Gedanken machen müssen?

    Ich freue mich über das Angebot BibCharts und das Engagement von André, zeigt es doch, dass wir mit Social Media in Bibliotheken nicht alleine sind. Punkt. Und wenn mir eine Einrichtung aufgrund hoher und/oder gestiegener Zahlen auffällt, dann schaue ich mir deren Angebot und was die da so machen einfach mal an …

    Dörte, im Augenblick bist Du diejenige, die hier ein wenig auf dem Ranking rumreitet, welches aus meiner Sicht wirklich gar keine Rolle spielt ;-)
    Wenn sich Entscheider nur über die Zahlen begeistern lassen, dann zeigen sie m.E. auch nur, dass sie sich selber gar nicht in sozialen Netzwerken bewegen und deshalb auch nicht inhaltlich mitreden können.

    Das Thema Mehrwerte schaffen, was André anspricht, ist in der Tat ein wichtiges und für viele wohl ein schwieriges Thema. Einen Suchschlitz auch über die Facebookseite anzubieten ist für mich jedenfalls kein Mehrwert, sondern allenfalls eine Erleichtung für die Nutzer/innen, nicht extra auf die Webseite oder in den Katalog wechseln zu müssen.

    Also, lasst uns hier oder über die anderen Kanäle weiter über Mehrwerte diskutieren. Welche Mehrwerte wollen anbieten, ausser dabei zu sein, was verstehen unsere Nutzer/innen überhaupt als Mehrwert?

    Viele Grüße,
    Michael

  5. Hallo Michael,

    ich habe nur meine Meinung dargelegt und um so besser, wenn für die Charts andere Meinungen bestehen. Und auf keinen Fall wollte ich damit die dahinter stehende Arbeit schmälern.

    Und etwas hat es ja gebracht. Wir sprechen jetzt von Mehrwerten und dem, was wir als Mehrwert verstehen und es wäre wirklich mehr als wünschenswert, wenn die Diskussion in diese Richtung weitergeht.

    Mehrwerte durch Social Media:
    – Einfachere Kontaktaufnahme, da engagierte Menschen hinter den Möglichkeiten sichtbar werden?
    – Nutzungserleichterung ermöglichen, die sonst nur sehr umständlich zu bewerkstelligen wären für „Nicht-Informatiker“ = Mehrwert für BibliothekarInnen mit Servicedenken ;-)
    – Ergänzung von Social Bookmarks und somit gute Tipps auch durch NutzerInnen – sofern sie sich motivieren lassen eine gute Ergänzung eigener Angebote – NutzerInnen als Teil der Bibliothek
    – Verteilter Informationsfluss und ein Abschiednehmen von der Idee, nur „hochoffizielle“ Mitteilungen sind es wert, veröffentlicht zu werden – somit wird die Einrichtung „erfahrbarer“ und nutzerorientierter
    – Ergänzung von Schulungsangeboten und Anreichern eigener Informationsangebote durch „externe“ weiterführende Informationen – somit auch ein Aufheben verschiedener Lernhemmnisse (so können durch verschiedene Arten von Informationen visuelle, audiovisuelle und textgebundene Lerner besser unterstützt werden)
    – der/die aktive BibliothekarIn: Probleme erfahren (Monitoring, Kommentare, Fragen) und diese innerhalb kürzester Zeit in eine Lösung umsetzen (Anleitungen, Screencasts, Abhilfe vor Ort schaffen und darüber berichten)

    Passieren solche Dinge nicht längst? Oder welche Form von Mehrwerten werden angedacht, sich vorgestellt? Dies waren jetzt nur ein paar Dinge, die ich in Bibliotheken und bei ihren Social-(Media)-Aktivitäten schon beobachten konnte und die ich deutlich den Mehrwerten zuordne. Gerne lasse ich mich da aber auch belehren, wenn solche Dinge bereits als Selbstverständlichkeiten gesehen werden. Eines ist mir allerdings wichtig: Mehrwerte müssen auf beiden Seiten spürbar sein, denn sonst lassen sich auch SkeptikerInnen in den eigenen Reihen nicht überzeugen. Social Media benötigt Zeit, benötigt ein Umdenken in einem wichtigen Punkt. Diese MitarbeiterInnen bauen einen Service auf, der einem „ständig online“-Sein entspricht und wenig zu tun hat mit privatem Surfen, auch wenn sie ggf. mit eigenen Namen ihre Institution vertreten.

    Also, lasst uns Ideen entwickeln und überlegen, welche Mehrwerte für beide Seiten gezogen werden können.

    Gruß
    Dörte

  6. Pingback: Anschluss an die Online-Welt

  7. Guten Morgen, ich möchte auch den schönen Spruch mit der Statistik nicht nochmals aufwärmen, aber letztendlich interpretiert jeder die Zahlen anders. Deshalb lässt es sich doch auch immer trefflich darüber streiten. Ich finde den Gedanken, der dahinter steht, auf jeden Fall begrüßenswert.
    Da im Moment jetzt die „Facebook ist böse“-Welle bei uns in der Verwaltung kursiert, finde ich auch solche „Charts“ durchaus hilfreich. Wie sie zustande kommen und was sie aussagen, oder vielleicht auch nicht, interessiert dann letztendlich niemanden wirklich.

    Viele Grüße vom Deister
    Tibor

  8. Hallo beisammen,
    bin zufällig über Facebook auf diese Diskussion gestoßen – finde ich interessant, was hier passiert, vor allem, wie gut die Argumente reflektiert werden.

    Anbei ein paar Anmerkungen von mir:

    Dieselbe Diskussion findet auch auf allgemeiner Social-Media-Ebene statt – d.h. welchen Mehrwert bieten FB-Seiten, Twitter-Accounts und … für Unternehmen. Wie kann man dort den Erfolg messen (#Friends, #posts, …)?

    Denn auch dort wollen Entscheider lieber einfach zu überprüfende Ziele – und hier liegen einmal 50% des wahren Problems. Denn je komplexer die Zielsetzung, desto schwieriger ist sie zu überprüfen und desto unverständlicher ist sie für Entscheider. Anzahl Fans etc. ist ein einfaches Ziel, das man leicht messen kann.

    Weitere 50% Prozent bestehen in der Überbewertung einer direkten Nachvollziehbarkeit monetärer Effekte (zB ein zusätzlicher Fan kauft 0,012 zusätzliche Produkte?). Doch eine solche Kausalität lässt sich fast nie robust genug nachvollziehen. Doch alles, was nicht unmittelbar monetär umzulegen ist, bringt die Mägen der durch finanziellen Kennzahlen getriebenen Entscheider gleich zur Schubumkehr. Dieses Problem werdet ihr auch mit „cooleren“ Kennzahlen nicht lösen.

    Aus meiner Sicht besteht der größte Nutzen von FB-Seiten/Apps für Bibliotheken aus Sicht der Bibliotheken darin, dass gewisse Gruppen von Menschen überhaupt auf Eure Services aufmerksam werden – denn diese erreicht ihr sonst womöglich gar nicht erreicht.
    Ein weiterer Nutzen besteht darin, dass das Angebot von Bibliotheken nicht bei Büchern & Co. enden muss, sondern sich auf weitere, völlig neue Informations-Dienste ausweiten kann (und hier ist erst der Anfang). Das zeigt ihr schon mal mit Eurem Social Media Engagement.

    Viele Grüße aus AT,
    Alexander Stocker

  9. Hallo Tibor,

    sicherlich helfen nackte Zahlen (und glaube da keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast ;-) ) dabei, Entscheidern den Sinn von solchem Engagement zu zeigen. Doch sind diese letztendlich nicht die einzigen Argumente. Sinnvoller wäre es daher, gemeinsam Argumente für diese Social-Media-Arbeit zusammen zu tragen und sie dann letztendlich nur noch mit den ortspezifischen Besonderheiten in der Argumentation ergänzen zu müssen. Aufpassen müssen wir allerdings dabei, dass die Pro- und Contra-Argumente
    a] nicht zu platt werden,
    b] nicht zu euphorisch sind (begeisternd ja)
    c] sachlich korrekt bleiben.

    @Alexander
    Vielen Dank für diesen Beitrag aus einer „globaleren“ Sicht.

    Natürlich sind einfach zu überprüfende Zahlen immer toll. Ich kann den betreffenden Account nachschlagen und sehen 5000 Postings, 6000 Fans. Danach muss ich aber Relationen schaffen. In der Bibliothek angemeldet 4000 Menschen, super wir erreichen mehr als gedacht. Unser Einzugsgebiet 19.000 Menschen, okay, heißt, wir sind gut dabei und haben auf jeden Fall auch einige „Nichtnutzer“ von Bibliotheken erreicht. Schöne Wahrheit, sagt mehr aus, als „6000 Fans“. Diese Interpretationsarbeit muss seitens der Argumentierenden natürlich mitgeliefert werden. Und natürlich ließe sich die Zahl auch noch „pimpen“, denn nicht jeder Bibliotheksleser wird auch Apps/Social-Media-Angebote nutzen.

    Unser Produkt, das wir „verkaufen“ ist Information. Dies in ein monetäres Prinzip umzurechnen, führt zu so obscuren Dingen wie Ausleihe vorhandener Medien in Bezug auf Anzahl der aktiven Nutzer einer Bibliothek. Bei elektronischen Medien scheitern Bibliotheken da bereits. Wie steht dies nun in Bezug auf frei zugängliche elektronische Medien, auf die Bibliotheken in ihren Social-Media-Angeboten aufmerksam machen?

    Provokativ gesagt: Währung 1: Fans, Währung 2: Klicks, Währung 3: Anzahl der Postings + Zeitaufwand + Personalaufwand… Frage: Kann man bei dem Zeit- und Personalaufwand dann nicht lieber auf die paar dazugewonnenen „Nichtnutzer“ von Bibliotheksangeboten verzichten, da elektronische Nutzer sich schließlich nicht in „Ausleihstatistiken“ niederschlagen, der Währung, mit der Bibliotheken momentan zahlen?

    Ich bin gespannt, welche Punkte ich in der Diskussion übersehen habe ;-) und freue mich auf weitere interessante Beiträge.

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