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ACTA ist auch Bibliotheksthema!

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ACTA. Anti-Counterfeit Trade Agreement. ACTA ist ein internationales Anti-Piraterie-Abkommen, das aktuell für großen Unmut sorgt. Die Digitale Gesellschaft hat zusammengefasst, worum es eigentlich geht: Warum ist ACTA so umstritten? Und warum sich Politiker und Bürger dafür interessieren sollten! Dort – und nicht nur dort – sieht man „Gefahren für die Meinungsfreiheit und den Zugang zu Kultur“:

  1. Die Interessen der Rechteinhaber werden Meinungsfreiheit, Datenschutz und anderen fundamentalen Rechten übergeordnet.
  2. ACTA legt die Regulierung der Meinungsfreiheit in die Hände privater Unternehmen, da das Abkommen Dritte, wie zum Beispiel Internet-Provider, dazu verpflichtet Online-Inhalte zu überwachen, deren Rolle es nicht ist, über Meinungsfeiheit zu bestimmen.
  3. ACTA könnte den Nutzen des kulturellen Erbes unserer Gesellschaft behindern, da es Strafen und kriminelle Risiken erhöht, sobald man Werke nutzen möchte, deren Eigentümer oder Rechteinhaber schwierig zu identifizieren oder zu lokalisieren sind (sogenannte “verwaiste Werke”).
  4. Die endgültige Fassung des Abkommens, dessen Bedeutung nicht vor der Ratifizierung klargestellt wurde, ist vage und könnte so ausgelegt werden, dass zahlreiche Bürger für geringfügige Vergehen kriminalisiert werden.

Über Acta wurde in den vergangenen Jahren viel geschrieben und gesprochen. Die IFLA hat sich 2010 dazu geäußert. Die American Library Association (zusammen mit der Electronic Frontier Foundation) schon 2009. Sogar im Newsletter des DBV wurde 2010, wenn auch nur durch Erwähnung der IFLA-Position, auf ACTA aufmerksam gemacht.

Dass ACTA auch etwas mit Bibliotheken zu tun hat, ist in den Biblioblogs längst angekommen:

Informiert Euch, informieren Sie sich. Und falls Sie auch der Meinung sind, dass Meinungsfreiheit und Zugang zu Kultur erstrebenswerte Güter sind, habe ich an dieser Stelle drei Vorschläge. Sie könnten…

  • … die von Josef Pauser verlinkte Petition bei Avaaz.org mitzeichen. Das geht wirklich schnell!
  • … schauen, ob es am nächsten Sonnabend eine Demonstration in Ihrer Nähe gibt. Auf diversen Social Networks haben sich schon sehr viele Teilnehmer angekündigt. Bei den zur Zeit herrschenden Temperaturen wird die reale Teilnehmerzahl vermutlich deutlich geringer ausfallen. Und in Polen waren die Anti-ACTA-Proteste durchaus wirkungsvoll!
  • … Ihrem EU-Abgeordneten eine Mail senden.

Bild: Internet o ACTARnet, tú decides von Oneras, CC: BY-SA

6 Kommentare

  1. Deinem Beitrag kann ich nur unbedingt beipflichten, wenn ihr die Möglichkeit habt, geht am Samstag in die nächste Stadt mit Demonstration und helft mit für Gerechtigkeit einzustehen, denn ACTA ist nichts anderes als ein Diktaturabkommen internationaler Härte.

  2. Deinem Beitrag kann ich nur widersprechen. Weder hier noch in den verlinkten Blogposts wird begründet, warum ACTA ein Bibliotheksthema sein sollte; es wird immer nur behauptet. Man kann für oder gegen ACTA sein, aber das sind persönliche politische Meinungen, über die ich eigentlich nicht hier lesen möchte.

    • Was spricht denn dagegen einen politischen Standpunkt einzunehmen und ihn hier – wohl begründet – zur Diskussion zu stellen?

    • Bibliotheken sind Teil der politischen Welt. Wenn die Bibliothek oder bibliothekarische Tätigkeiten betroffen sind, möchte ich hier gern darüber lesen. Und das ist hier der Fall!

  3. Dann nenne ich mal einen Punkt, in dem ACTA definitiv Bibliotheksthema ist. Und zwar ist das die Providerhaftung. Fast jede Bibliothek bietet inzwischen Internetzugang für seine Nutzer. Zitat:

    „Infrastrukturbetreiber wie Internet-Service-Provider werden verantwortlich dafür, was ihre Kunden machen. Das hat Auswirkungen: Provider werden dann eher den Internetverkehr von ihren Kunden überwachen und wüssten, was diese auf welcher Website gemacht haben oder was sie in E-Mails geschrieben haben – ohne dass es einen Grund gäbe, sie zu überwachen. Durch das ACTA-Abkommen können Nutzer automatisch und in größerem Stile nach Urheberrechtsverletzung überwacht werden. Das gefährdet insbesondere unsere Meinungsfreiheit und Privatsphäre. Ein Rechteinhaber könnte, wenn er Filesharing bei einer Person vermutet, zum Provider gehen und verlangen, diese Person zu sanktionieren. Ohne Rechtsweg dazwischen. In der analogen Welt sagt auch niemand, dass es eine gute Idee wäre, wenn die Deutsche Telekom überwacht, ob ich Ihnen am Telefon ein Lied von Lady Gaga vorsinge und das dann zu verhindern versucht.“

    Ich möchte die Nutzer einer Bibliothek in einem rechtlichen Raum wissen, in denen ihnen die ungehinderte Informationbeschaffung möglich ist. Und das ist m.E. nicht der Fall, wenn Bibliotheken im oben angedeuteten Umfang haftungspflichtig würden.

    Vielleicht stimmt meine Interpretation ja nicht. Dann ist ACTA vielleicht aus diesem Grund kein Bibliotheksthema. Solange ich (ganz persönlich, ganz subjektiv) jedoch einen Bezug zu den Themen der aggregierten Blogs sehe, blogge ich darüber. Wer meine Meinung (hier oder anderswo) nicht lesen will, muss das ja nicht.

    • OK, das ist mal ein einleuchtendes Beispiel. Komisch, daß mir das vorher noch nicht untergekommen ist. Trotzdem scheint mir die Schärfe und Breite der bibliothekarischen Opposition gegenüber ACTA weit über das Problem, wie der Datenverkehr in Bibliotheken praktisch am besten zu überwachen ist, hinauszugehen. Ich verstehe also nun, was ACTA mit Bibliotheken zu tun hat, sehe aber nach wie vor keine (dem Bibliothekswesen innewohnenden, überpersönlichen) Gründe für dessen Ablehnung.

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